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  Freiesbad Bodenburg e.V.
  Chronik 1925
 

Bau des Freibades in Bodenburg

Aufzeichnungen eines Gesprächs mit Otto Bohnhage,
geb. am 09.08.1907

 

„Ende der 20er Jahre herrschte eine große Arbeitslosigkeit. Wir jungen Leute brauchten eine Aufgabe, die uns von den ständigen Sorgen ablenkte. Es gab in Bodenburg derzeit 3 so genannte Arbeitsvereine: Sport-, Gesangs- und Wahlverein. Ich gehörte dem Sportverein an, der 1925 gegründet wurde, da bestand der Sehlemer Verein schon 5 Jahre.

Wir hatten die Idee, in einem sumpfigen Gelände am Borbach ein Schwimmbad und einen Sportplatz zu bauen. Das Land gehörte zur Östrumer Mühle, die Mühle gehörte von Cramm.

Freiherr von Cramm schenkte das Land dem Verein oder der Gemeinde. Bei unserem Gemeinderat fanden wir große Unterstützung.

Anfang 1929 besorgte der Gemeinderat eine  Bäderarchitekten, Herrn Immendorf aus Hildesheim. Wir konnten es Kaum erwarten mit den Arbeiten zu beginnen. Die Firma Hoch- und Tiefbau Baulecke aus Sehlem stellte Loren und Gleise zu Verfügung. Die Grube für das Becken war nach 2 Monaten ausgehoben. Mit dem Aushubboden schütteten wir den Sportplatz auf.

Fast alle Männer, jung und alt beteiligten sich an der Arbeit. Die wenigen, die damals noch Arbeit hatten, erbrachten ihre Leistung am Wochenende und nach Feierabend. Der Stärkste von uns, Wilhelm Wunnenberg, hatte das Kommando, er machte sich selbst zum Schachtmeister und das war auch gut so.

Wir hatten große Probleme mit der Wasserhaltung, denn aus dem Hang unterhalb des Schützenplatzes verlief ein Bach quer durch das künftige Becken in den Borbach.

Die Maurerarbeiten, soweit sie erforderlich waren, erledigten die hiesigen Firmen Karl Brinkmann und Karl Brüning. Die Zimmerarbeiten die hiesigen Firmen Ernst Sievers und Ernst Bleckmann in Kooperation. Das Becken, das Wehr und die Gründung der Umkleidekabinen  wurden noch in 1929 fertig gestellt. Die Holzbauwerke waren im Sommer 1930 fertig.

Sämtliches Holz hat Baron von Cramm gestiftet, auch die Bohlen des umlaufenden Zaunes. Geschnitten wurden diese Bretter bei Bläsig in Salzdetfurth, überwiegend nach Feierabend unter der Leitung von Hermann Wunnenberg, einem Bruder von Wilhelm, dem starken Schachtmeister, Die Wunnenbergs haben wohl die meiste Arbeit an der Badeanstalt erbracht.

An Spanndienste Bodenburger Bauern kann ich mich nicht mehr erinnern, sie hatten Bedenken, dass sie durch den Bretterzaun an der Straße die Erntewagen nicht mehr den Berg hinauf fahren konnten.

Unser Arzt Dr. Mahler erklärte: „In dieser öffentlichen Jauche darf kein Mensch Baden!“

Im Spätsommer 1930 wurde das Bad eröffnet. Es waren zuerst nur zwei 1m-Sprungbretter vorhanden. Im großen Becken schwamm ein dicker Baumstamm.

Der erste Bademeister war Otto Schröder aus Hildesheim, man konnte bei ihm Schwimmen lernen. Der Bademeister war auch für die Qualität des Wassers zuständig. Es wurde regelmäßig untersucht. Das Wasser kam aus dem Borbach. Etwa 75m oberhalb des Freibades war ein Wehr gebaut. Bei sich ankündigendem Gewitter oder starkem Regen musste der Bademeister das Wehr schließen, da sonst schlammhaltiges Wasser ins Becken lief.

Ab Sommer 1931 waren regelmäßig Schulkinder mit Lehrer Klemme zum „Spielturnen“ in der Badeanstalt. Dabei lernten sie schwimmen, wie auch  viele Leute aus Nachbargemeinden, denn das Bodenburger Bad war das einzige in der Gegend.

Die Außenanlagen (Grotten und Bepflanzungen) wurden im Herbst 1930 und im Frühjahr 1931 durchgeführt, auch hier war von Cramm großzügiger Spender.

Nach der Machtergreifung 1933 wurde das Bad in „Adolf Hitler Bad“ umgetauft. Das geschah durch eine Ansprache von Paul Schubert auf dem 3m-Brett mit einem anschließenden Kopfsprung, das vergesse ich nie!“

Aufgezeichnet von Hartmut Oppermann         28.11.2002


 





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